Was Reiseautoren können müssen – und was von ihnen zu erwarten ist
- Donna Macabenta
- 2 days ago
- 8 min read
Es gibt einen Beruf, der von außen betrachtet wie dauerhafter Urlaub wirkt. Reiseautor – das klingt nach Strandliegen, Businessclass und Hotelsuiten auf Kosten der Redaktion. Die Realität sieht anders aus. Reiseautoren arbeiten hart, recherchieren tief, reisen weit – und scheitern oft an denselben vermeidbaren Fehlern. Dieser Text zeigt, was einen guten Reiseautor ausmacht, welche Regeln er befolgt und warum die meisten Reisetexte im Netz schlicht zu schlecht sind.

Regel 1 – Voraussetzungen für einen Reiseautor
Vollkommen unabhängig vom Schreibtalent muss ein Reiseautor ein Globetrotter sein. Das Schreiben lässt sich bis zu einem gewissen Grad erlernen – der Drang zu reisen, die Welt zu sehen, ist angeboren und durch nichts zu ersetzen.
Wer als Anfänger Reisetexte schreiben will, muss mindestens 20 Länder bereist und nicht weniger als 40 Destinationen gesehen haben, bevor er den ersten Text beginnt. Das ist keine willkürliche Zahl. Es ist die Mindestbasis an Vergleichswerten, ohne die kein Autor einschätzen kann, was eine Destin
ation wirklich besonders macht.
Ein guter Reiseautor mit ausreichend Erfahrung hat 50 Länder besucht, einige mehrfach, und weit mehr als 100 Destinationen erkundet. Sehr gute Reiseautoren kommen auf mehr als 75 Länder und deutlich über 300 Destinationen. Sie haben häufig in mehreren Ländern gelebt, gearbeitet oder dort eine Ausbildung absolviert. Die meisten sprechen mehr als eine Fremdsprache.
Reiseautoren sind generell sportlich, kulturell interessiert, verfügen über eine ausgesprochen gute Allgemeinbildung und sind kulinarisch nicht voreingenommen. Jeder Reiseautor sollte mindestens einmal Golf gespielt, sich auf dem Surfbrett und auf Wasserskiern versucht, gesegelt und getaucht haben. Er sollte reiten können und wissen, wie die Welt unter Wasser aussieht. Höhlen sollten ihm so vertraut sein wie der Louvre. Er sollte wissen, was ihn im British Museum, in der National Gallery und im Natural History Museum in London erwartet. Er sollte eine Oper von einer Operette unterscheiden – und die Baustile Barock, Renaissance, Gotik, Jugendstil und Klassizismus auf Anhieb erkennen.
Regel 2 – Vorurteilsfrei schreiben
Reiseautoren sind liberal eingestellt, in keiner Weise rassistisch oder sexistisch. Sie schreiben vorurteilsfrei über seltsam anmutende Rituale in fernen Kulturen, ohne diese zu verurteilen oder zu werten.
Aber es gibt Grenzen. Reiseautoren haben das Recht, Texte abzulehnen oder mit deutlich kritischer Haltung zu schreiben – geht es beispielsweise um Zwangsehen, um die Beschneidung junger Mädchen, um die rechtliche Stellung von Frauen in bestimmten Ländern oder um gesellschaftliche Unterdrückungssysteme wie das Kastenwesen in Indien.
Ein praktischer Hinweis für die SEO-Ebene: Texte mit geläufigen rassistischen, sexistischen oder herabwürdigenden Formulierungen werden von Suchmaschinen heftig abgestraft und teilweise vollständig aus dem Suchalgorithmus entfernt.
Regel 3 – Präzise formulieren
In zahllosen Reisetexten tauchen Formulierungen auf wie: „Diese Unterkünfte sind Ihr ideales Reiseziel." – „Buchen Sie für Ihren Urlaub ein Sporthotel." – „Mieten Sie für Ihre Ferien auf dem Land einen Bauernhof."
Diese Formulierungen sind unpräzise, um nicht zu sagen falsch.
Unterkünfte sind kein Reiseziel. Reiseziele sind New York, Grönland, die Malediven oder der Gardasee. Reisende buchen kein Sporthotel – sie buchen ein Zimmer in einem Sporthotel, eine Suite nahe dem Wellnessbereich oder ein Apartment mit direktem Zugang zum Fitnessbereich. Und einen Bauernhof mietet niemand – wohl aber eine Ferienwohnung oder ein Apartment auf einem Bauernhof.
Dasselbe gilt für blumige Schreibversuche wie „den wunderbaren Blick auf die umgebenden Berge genießen". Wie kann ein Blick wunderbar sein? Was man sieht, kann wunderbar wirken – der Blick selbst, das Sehen, nicht. Besser: „das Panorama der Bergidylle genießen" oder „die Kulisse aus Natur und Fels auf sich wirken lassen."
Ein weiteres Beispiel für unnötige Fachbegriffe im Sprachgebrauch: Das Wort „fußläufig" taucht in jedem zehnten Reisetext auf und wirkt in keinem davon natürlich. Kein Mensch sagt im Gespräch „das ist fußläufig erreichbar". Schreiben Sie, wie Menschen sprechen.
Zumindest Google – wohl aber auch Bing – hat Wege gefunden, unpräzise Formulierungen zu identifizieren. Texte mit derartigen Schwächen erhalten bei ansonsten gleichem Inhalt deutlich schlechtere Bewertungen.
Regel 4 – Keine weiten Sprünge verlinken
Wer in einem Text über Südtirol unbedingt Ferienhäuser auf Sizilien verlinken will, hat seinen Job nicht verstanden. Solche irrationalen Linksprünge verwirren Reisekunden nachweislich – auch wenn sie fürs SEO technisch funktionieren.
Wer in einem Südtirol-Text Links einbaut, verweist auf die Dolomiten, den südlichen Gardasee oder den Lago d'Iseo. Ein guter Reiseautor verlinkt das italienische Südtirol gekonnt mit Destinationen im österreichischen Tirol, dem Engadin oder Graubünden. Geographische und kulturelle Nähe ist das entscheidende Kriterium.
Regel 5 – Erhöhe die Informationsdichte, ohne wissenschaftlich zu werden
Der Unterschied zwischen einem durchschnittlichen und einem guten Reisetext liegt nicht in der Länge. Er liegt in der Dichte.
Normaler Satz: „Buchen Sie eines der Ferienhäuser in Torrevieja direkt am Strand."
Besser: „Sie buchen eines der Ferienhäuser in Torrevieja direkt am Strand, aber etwas außerhalb. Die Playa Les Ortigues am Parc Natural de Las Lagunas de La Mata y Torrevieja eignet sich vortrefflich für romantische Spaziergänge zu zweit. Im Süden flanieren Sie an der Playa Flamenca auf der ausgebauten Strandpromenade, bevor Sie eine der mondänen Bars oder einen der angesagten Clubs aufsuchen."
Noch ein Beispiel. Normaler Satz: „Der Ätna auf Sizilien ist einer der größten und aktivsten Vulkane in Europa."
Besser: „Wie bei Jules Vernes Reise zum Mittelpunkt der Erde gehen Sie dem aktiven Vulkan Ätna auf den Grund. Der an der Ostküste Siziliens gelegene Ätna hat die Grotta dei Lamponi entstehen lassen – eine Höhle, durch die einst Lavaströme an die Oberfläche flossen. Legen Sie sich in der Kaverne auf eine Steinplatte und fühlen Sie die vulkanische Wärme, die Ihren ganzen Körper durchströmt."
Das Ziel ist immer dasselbe: das Kopfkino beim Leser einschalten. Der potenzielle Reisekunde muss beim Lesen die Bilder im Kopf sehen, die ihn dazu bringen, genau dort seinen Urlaub zu buchen.
Regel 6 – Negative Fakten sind tabu
Bei Texten für Vermittlungsportale niemals negative Eigenschaften erwähnen. Dazu gehören Haifangnetze vor dem Strand, der Hotelneubau nebenan, der heiße Vulkansand unter der Mittagssonne oder die Information, dass eine bestimmte Ferienanlage von einer bestimmten Nationalität bevorzugt wird.
Ebenso tabu ist die Erwähnung des möglicherweise stressbelasteten Alltags der Leser. Sätze wie „Finden Sie Erholung vom Großstadtlärm und der Hektik des Alltags" lassen beim Leser die inneren Klappen fallen. Der Leser soll sich von der ersten Zeile an wohl und aufgehoben fühlen – nicht an das erinnert werden, was er gerade hinter sich lassen will.
Besondere Vorsicht gilt bei Vergleichen auf Kosten anderer Destinationen. Formulierungen wie „da Marbella generell überfüllt ist" oder „wer dem Gedränge in Mailand entfliehen will" sind nicht akzeptabel. Der niedergemachte Ferienort erscheint oft als nächster Schreibauftrag auf dem Bildschirm.
Regel 7 – Niemals Tourist oder Tourismus verwenden
In deutschen Reisetexten ist das Wort Tourist in allen Formen absolutes Tabu – einzige Ausnahme: wenn es in einem Eigennamen vorkommt, etwa Tourismus-Messe oder Touristen-Information.
Der Grund ist kulturell tief verwurzelt. In Deutschland ist das Wort Tourist negativ belastet. Touristen gelten im deutschen Selbstverständnis als Urlauber dritter Klasse – die überteuerte Preise zahlen, schlechte Leistungen akzeptieren und durch Benehmen auffallen.
Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales hat in einer Studie den gesellschaftlichen Status verschiedener Berufe untersucht. Das Ergebnis: Hotelmanager lagen auf einem Level mit Ärzten. Eventmanager genossen das Ansehen eines Lehrers oder Kriminalkommissars. Tourismusmanager lagen weit abgeschlagen auf Augenhöhe mit Facharbeitern in der Automobilindustrie und Verkäufern in Buchläden ohne Buchhändler-Ausbildung.
Vermeiden Sie konsequent: Touristenhochburg, touristische Infrastruktur, touristisch ausgebaut, auf Tourismus fokussiert.
Regel 8 – Zeitlos schreiben
Absolut zeitlos schreiben. Das bedeutet: keine Veranstaltungen in der Zukunft erwähnen. „Die Olympischen Spiele 2028 werden hier ausgetragen" – tabu. „Die Olympischen Spiele 1980 wurden hier ausgetragen" – zulässig.
Achtung bei versteckten Zeitangaben wie „diese Sportart ist der neueste Trend." Was heute neu ist, ist in zwei Jahren etabliert oder vergessen. Die Sportart erwähnen – ja, unbedingt. Aber nicht als brandneuen Trend präsentieren.
Suchmaschinen bestrafen abgelaufene Veranstaltungen auf Webseiten mit Minuspunkten wegen mangelnder Aktualität. Wer zeitlos schreibt, schützt seinen Text vor diesem Verfall.
Regel 9 – Direktes, aktives Schreiben
Passive Redewendungen sind für Reisetexte tödlich. „Es handelt sich hierbei um", „Sie können beispielsweise", „wenn nicht, dann" – diese Konstruktionen lähmen den Text.
Nur durch aktive Formulierungen schaltet ein Autor das Kopfkino des Lesers ein.
Schwache Formulierung: „Sie können auf dem Schwarzwaldweg eine Bergwanderung unternehmen und dabei im Gasthaus Rosenstolz einkehren."
Besser: „Sie nutzen den erstklassig ausgewiesenen Schwarzwaldweg durch die waldreiche Berglandschaft mit ihren intensiv duftenden Nadelbäumen. Kehren Sie beim Gasthaus Rosenstolz ein, wo Sie sich mit einer zünftigen Brotzeit mit Schwarzwälder Schinken und ofenwarmem Brot für die nächste Etappe stärken."
Der Unterschied ist spürbar. Der zweite Text riecht nach Wald und schmeckt nach Schinken.
Regel 10 – Keine Versprechungen
Niemals endgültige Aussagen treffen. „Im Bad steht Ihnen ein Jacuzzi zur Verfügung." – „Zum All-inclusive-Service gehört freie Eiscreme am Nachmittag." – „Am Hotelstrand werden Surfkurse angeboten."
Solche Aussagen können Reiseveranstalter in ernsthafte rechtliche Schwierigkeiten bringen. Reisekunden klagen zunehmend auf Schadenersatz wegen entgangenem Urlaubsvergnügen, wenn die versprochenen Leistungen nicht der Realität entsprechen. Der Jacuzzi kann ausgebaut sein. Die Eiscreme aus dem Programm gestrichen. Der Surflehrer hat einen besseren Job gefunden.
Formulieren Sie Leistungen immer als Eventualität: „Einige Zimmer mit diesem Komfort-Level verfügen über einen privaten Jacuzzi." – „Mitunter wird im Rahmen des All-inclusive-Service kostenfrei Eiscreme ausgegeben." – „Zu den möglichen Aktivitäten gehören Surfen und Tauchen, wobei für Anfänger mitunter auch Kurse buchbar sind."
Regel 11 – Auswahl der Attraktionen
Normale Autoren neigen dazu, Kirchen, Museen, Denkmale und historische Bauwerke reihenweise aufzulisten. Reiseautoren wissen, dass die meisten Reisenden ganz andere Attraktionen im Sinn haben.
Beispiel Hamburg: In den meisten ordinären Reisetexten finden sich der Michel, die Speicherstadt, die Elbphilharmonie und die Hamburgische Staatsoper. Gelegentlich wird zurückhaltend die Reeperbahn erwähnt. Die echten Attraktionen fehlen fast immer:
Miniaturwunderland, Chocoversum, Portugiesisches Viertel, Museum der Illusionen, Mehr! Theater am Großmarkt, Museumsschiff Cap San Diego mit maritimem Hochseilgarten, Museumsschiff Rickmer Rickmers, St. Pauli Nachtmarkt, Fischmarkt an den Landungsbrücken, Fabrik Hamburg, Stage Theater im Hafen.
Der Michel und die Speicherstadt sollen erwähnt werden – erwähnt, nicht mehr. Der Fokus gehört auf die Attraktionen, die einen Ort wirklich besuchenswert machen.
Besondere Vorsicht gilt beim Fußball. Nichts polarisiert in Deutschland derart. Eine positive Erwähnung der Allianz-Arena in einem Bayerntext kann dazu führen, dass Fans rivalisierender Vereine das beworbene Hotel buchen – allerdings auf der Konkurrenzplattform, wo der FC Bayern nicht genannt wird.
Vorsicht gilt ebenso bei Sehenswürdigkeiten, die mit Krieg, Katastrophen oder Menschenrechtsverletzungen verbunden sind. Konzentrationslager, Gefängnisse mit Todestrakt, Soldatenfriedhöfe, Kriegsdenkmale – diese Orte gehören nicht in einen vergnüglichen Reisetext. Sie können einem Reisenden den gesamten Urlaub verderben. Und das fällt auf die Plattform zurück, die sie empfohlen hat.
Regel 12 – Keine Mutmaßungen
Immer wieder zu lesen: „Ihr lang ersehnter Urlaub" – „Ihre wohlverdienten Ferien" – „nutzen Sie Ihre sportlichen Ambitionen" – „Ihr Urlaub mit der Familie."
Das sind Vermutungen. Wir wissen nicht, ob der Leser drei Jahre oder drei Wochen auf diesen Urlaub gewartet hat. Wir wissen nicht, ob er sportlich ist, ob er eine Familie hat, ob dieser Urlaub der erste nach einem Verlust ist. Fatal wäre, wenn „Ihr Familienurlaub" jemanden trifft, der gerade seine Familie verloren hat.
Niemals Vermutungen über die persönlichen Verhältnisse der Leser in einen Text einfließen lassen.
Regel 13 – Mitbewerber im Ranking überholen
Das Problem bei den meisten touristischen Plattformen: zu viel technisches SEO, zu wenig kreativer Content. Die Verantwortlichen sind so darauf fokussiert, Links zu verbauen und nach Suchbegriffen zu fahnden, dass einfache Lösungen nicht in den Blick kommen.
Alte Texte werden entsorgt und durch neue ersetzt, in der Hoffnung auf besseres Ranking. Die Erfahrung zeigt: das gewünschte Ergebnis bleibt meist aus. Neue Texte sind gut – aber nur dann, wenn sie neue Destinationen beschreiben. Für bereits beschriebene Orte und Hotels gilt: vorhandene Texte optimieren, nicht ersetzen.
Die Methode ist einfach erklärt. Der Auftraggeber nennt drei bis fünf Konkurrenten die im Ranking zu überholen sind. Der Autor ruft deren Texte auf, zerlegt sie in die wesentlichen Fakten und baut darauf seinen eigenen Text auf – ergänzt um mindestens drei bis fünf Attraktionen, die die Konkurrenz nicht nennt.
Am Beispiel des JW Marriott Hotel Berlin: Die Mitbewerber hatten unter anderem die Gedenkstätte Deutscher Widerstand, das Wintergarten Varieté und das Ehrenmal der Bundeswehr als Sehenswürdigkeiten aufgeführt. Der eigene Text übernimmt diese – und ergänzt sie um bisher ungenannte Attraktionen wie das New Float Kunstmuseum, die Villa von der Heydt, die Berolina Bowling Lounge, die Kochschule RunningPapaya, Urban Nation und den Park am Gleisdreieck mit Picknick-Area und Trampolinpark.
Zusätzlich gehört in jeden wettbewerbsfähigen Reisetext ein strukturiertes Faktenpaket:
Beste Reisezeit, drei Top-Attraktionen für Familien, drei für Singles und Paare, drei Top-Restaurants, zwei günstige Familienrestaurants, mindestens zwei jährlich wiederkehrende Feste, bei Fernzielen der nächste Flughafen mit Flugzeit, die drei beliebtesten Sportarten, Währung mit Wechselkurs, Zeitverschiebung zu Deutschland und fünf Mietwagenoptionen.
Erfahrungen aus der Praxis zeigen: Auf einigen Plattformen übersteigen die Einnahmen aus dem Mietwagengeschäft inzwischen die aus der Zimmervermittlung. Ein gut platzieter Mietwagenlink ist keine Nebensache.
Generell empfiehlt sich der Einbau einer Google Maps-Karte sowie – wo verfügbar – ein Link zur nächstgelegenen Webcam. Beides erhöht die Verweildauer auf der Seite, was Google als positives Nutzersignal wertet.
Wer konsequent nach diesen Regeln arbeitet, liefert Texte die nicht nur besser klingen – sie ranken besser, halten Leser länger auf der Seite und bringen Plattformen schrittweise an die Spitze des Rankings. Genau das ist die Aufgabe eines professionellen Reiseautors.
Autor: Apollo O. Bruckner | PENYA – Autorenbüro auf Leyte, Philippinen

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